Alle Begriffe

Glossar

Cost and Usage Report

Auch: CUR · AWS Data Exports · CUR 2.0

Der detaillierteste Kostenbericht von AWS: jede Ressource, jede Stunde, jede Preiskomponente als Rohdatensatz statt als Diagramm.

Der Cost Explorer beantwortet die Frage, was teuer ist. Der Cost and Usage Report beantwortet die Frage, warum. Der Unterschied ist die Auflösung: Der Cost Explorer aggregiert nach Service, der CUR liefert jede einzelne Verbrauchszeile mit Zeitstempel, Verbrauchsart, Preiskomponente und, wenn man es beim Anlegen einschaltet, der Ressourcen-ID.

Praktisch wird er als Export nach S3 eingerichtet und mit Athena abgefragt. Die Einrichtung kostet etwa eine Stunde. Ab dann beantwortet man Kostenfragen mit SQL statt mit Vermutungen, und das ist der eigentliche Sprung: eine Frage wie „welche einzelne Log-Gruppe kostet uns 400 Euro" ist im Cost Explorer nicht stellbar und im CUR eine Zeile Abfrage.

Der wichtigste Handgriff beim Anlegen ist die Option, Ressourcen-IDs einzuschließen. Sie wird oft übersehen, und ohne sie fehlt genau die Spalte, die aus „CloudWatch ist teuer" ein „diese vierzehn Metriken sind teuer" macht. Nachträglich einschalten geht, gilt aber nicht rückwirkend.

Der Bericht kennt mehrere Kostenspalten, und sie beantworten verschiedene Fragen. Unblended zeigt, was in einem Monat berechnet wurde. Amortized verteilt Vorauszahlungen und Reservierungsgebühren über ihre Laufzeit. Sobald Commitments im Spiel sind, führt der Vergleich zweier Monate in der unblended-Sicht in die Irre.

Der CUR selbst kostet fast nichts, die Abfragen darauf einige Cent. Ironischerweise taucht Athena in gewachsenen Accounts oft als großer Kostenposten auf, aber das liegt an Anwendungsabfragen über unpartitionierte Datenmengen, nicht an der Kostenanalyse.

Woran Sie es erkennen

  • Kostenfragen werden mit Screenshots aus dem Cost Explorer beantwortet.
  • Niemand kann sagen, welche einzelne Ressource hinter einem großen Posten steckt.
  • Es gibt keinen Export nach S3, oder es gibt ihn ohne Ressourcen-IDs.

Nicht zu verwechseln mit

Cost Explorer
Aggregierte Oberfläche für den Überblick, gut für Trends und Prognosen. Er kann nicht auf einzelne Ressourcen auflösen und beantwortet deshalb keine Ursachenfrage.
AWS Budgets
Ein Alarm auf Schwellwerte, keine Analyse. Sinnvoll als Ergänzung, damit ein Ausreißer nicht erst am Monatsende auffällt.
Cost Anomaly Detection
Meldet Ausreißer je Service, kostenlos. Sagt, dass etwas passiert ist, nicht was. Verkürzt aber die Zeit bis zur Analyse erheblich.

Wann es trägt

  • Vor jeder Kostenmaßnahme, die mehr als ein paar hundert Euro bewegen soll.
  • Wenn ein Posten im Cost Explorer groß ist, aber niemand die Ursache benennen kann.
  • Sobald mehrere Teams oder Anwendungen dieselben Konten nutzen.

Wann nicht

  • Bei einem einzelnen kleinen Konto mit drei Diensten reicht der Cost Explorer.
  • Als Ersatz für Tagging. Der CUR zeigt, welche Ressource kostet, nicht wem sie gehört.

Wie man rangeht

  1. Export anlegen, mit Ressourcen-IDsAWS Data Exports, Format Parquet, Ziel ein eigener S3-Bucket. Die Option für Ressourcen-IDs unbedingt setzen, sie ist der Unterschied zwischen Überblick und Ursache.
  2. Mit Athena abfragbar machenTabelle über den Export legen und nach Datum partitionieren. Unpartitioniert scannt jede Abfrage den gesamten Bestand, und der wächst täglich.
  3. Erst nach Verbrauchsart gruppierenNicht nach Service. line_item_usage_type zeigt, ob hinter CloudWatch Metriken, Logs oder Dashboards stecken, und die haben verschiedene Lösungen.
  4. Dann nach Ressource auflösenFür die auffällige Verbrauchsart line_item_resource_id gruppieren. Damit steht die konkrete Log-Gruppe, das konkrete Volume, die konkrete Tabelle auf dem Tisch.
  5. Ergebnis als Maßnahmenliste festhaltenJe Position geschätzte Ersparnis pro Monat, Aufwand in Tagen, Risiko für den Betrieb. Diese Liste ist das eigentliche Arbeitsdokument, nicht der Bericht.

Häufig gefragt

Was kostet der Cost and Usage Report selbst?

Der Export kostet nur den S3-Speicher, also Cent-Beträge. Die Abfragen mit Athena rechnen pro gescanntem Terabyte ab und bleiben bei partitionierten Daten ebenfalls im Cent-Bereich. Eine vollständige Analyse eines mittelgroßen Accounts kostet weniger als ein Mittagessen.

Warum nicht einfach den Cost Explorer nehmen?

Weil er aggregiert. „CloudWatch: 2.600 Euro" ist keine Information, mit der man arbeiten kann: dahinter stecken Metriken, Logs, Dashboards und Alarme mit völlig verschiedenen Ursachen und Lösungen. Für den Trend ist der Cost Explorer gut, für die Ursache braucht es die Rohdaten.

Was ist der Unterschied zwischen unblended und amortized?

Unblended zeigt, was in einem Monat tatsächlich berechnet wurde. Amortized verteilt Vorauszahlungen und wiederkehrende Reservierungsgebühren über ihre Laufzeit. Ohne Commitments sind beide fast gleich. Mit Commitments ist die amortisierte Sicht die einzige, in der ein Monatsvergleich etwas aussagt.

Wie weit reichen die Daten zurück?

Nur bis zum Tag, an dem der Export eingerichtet wurde. Deshalb lohnt es sich, ihn früh anzulegen, auch wenn gerade keine Kostenfrage ansteht: die Analyse braucht Vergleichszeiträume, und die entstehen nur mit der Zeit.

WeiterlesenEin Jahr FinOps auf AWS: von 15.000 auf 2.500 Euro im Monat