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Glossar

S3-Speicherklassen

Auch: S3 Storage Classes · Intelligent-Tiering · Glacier

Abstufungen von Speicher nach Zugriffshäufigkeit: von sofort verfügbar bis Archiv, mit stark unterschiedlichen Preisen.

S3 kostet nicht einen Preis, sondern mehrere gleichzeitig: Speicher pro Gigabyte und Monat, Anfragen pro tausend Zugriffe, Abrufgebühren in den kälteren Klassen und Egress beim Verlassen der Region. Wer nur auf den Speicherpreis schaut, optimiert an der falschen Stelle.

Standard ist die Klasse für alles, was regelmäßig gelesen wird. Standard-IA und One Zone-IA sind billiger im Speicher und teurer im Abruf, gedacht für Daten, die man selten braucht aber sofort. Glacier Instant, Flexible und Deep Archive staffeln sich weiter nach unten, mit Abrufzeiten von Millisekunden bis Stunden.

Intelligent-Tiering nimmt die Entscheidung ab und schiebt Objekte automatisch je nach Zugriff. Es kostet eine kleine Überwachungsgebühr pro Objekt, und genau daran hängt der Haken: Objekte unter 128 Kilobyte werden nicht überwacht und bleiben dauerhaft in der teuersten Klasse. Bei vielen kleinen Dateien zahlt man Überwachung ohne Nutzen.

Lifecycle-Regeln sind der direkte Weg: Nach X Tagen in eine kältere Klasse, nach Y Tagen löschen. Sie sind eine Zeile Infrastrukturcode und wirken auf den gesamten Bestand. Der schwierige Teil ist nicht die Regel, sondern die Frage davor: Was braucht die Fachlichkeit wirklich, was verlangt eine Aufbewahrungspflicht, und was ist nur Gewohnheit.

Der stillste Posten sind abgebrochene mehrteilige Uploads. Die Fragmente tauchen in keiner Bucket-Ansicht auf, kosten aber Speicher wie ganze Objekte, und in gewachsenen Accounts liegen dort oft Terabytes. Eine Lifecycle-Regel, die sie nach sieben Tagen entfernt, gehört in jeden Bucket.

Woran Sie es erkennen

  • Der Bucket wächst monoton, es gibt keine Lifecycle-Regel.
  • Niemand kann sagen, wie lange welche Daten aufbewahrt werden müssen.
  • Versionierung ist aktiv, ohne Regel für alte Versionen.
  • Testdaten liegen genauso lange wie Produktionsdaten.

Nicht zu verwechseln mit

Intelligent-Tiering
Automatik statt Regel. Gut bei unbekanntem oder wechselndem Zugriffsmuster, schlecht bei vielen kleinen Objekten, weil die Überwachungsgebühr dann den Nutzen frisst.
Lifecycle-Regeln
Feste Regeln nach Alter. Günstiger als Intelligent-Tiering, wenn das Zugriffsmuster bekannt ist, und der einzige Weg zum Löschen.
Versionierung
Behält alte Objektstände. Verdoppelt schnell den Bestand, wenn keine Lifecycle-Regel die alten Versionen abräumt. Ein häufiger unerkannter Kostentreiber.
Glacier Deep Archive
Der günstigste Speicher mit Abrufzeiten von Stunden und spürbaren Abrufgebühren. Für Daten, die man aus rechtlichen Gründen hält und hoffentlich nie liest.

Wann es trägt

  • Der Bestand ist mehrere Terabyte groß und wächst weiter.
  • Es gibt Daten mit erkennbarem Muster: Protokolle, Rohdaten, Exporte, alte Backups.
  • Vor jeder Aufbewahrungsentscheidung, weil danach das Löschen schwerer wird.

Wann nicht

  • Bei kleinen Beständen unter einem Terabyte lohnt der Aufwand selten.
  • Bei Objekten, die vierteljährlich vollständig gelesen werden: Archivklassen sind dann teurer als Standard.
  • Bei vielen Objekten unter 128 Kilobyte ist Intelligent-Tiering die falsche Wahl.

Wie man rangeht

  1. Erst wegwerfen, dann umschichtenEin erheblicher Teil des Bestands wird für keine Auswertung mehr gebraucht. Löschen spart Speicher, Anfragen und künftige Umschichtungskosten auf einmal.
  2. Zugriffsmuster messenS3 Storage Lens und Access-Logging für zwei Wochen, bevor Regeln geschrieben werden. Ohne diese Daten schiebt man Objekte in Klassen, aus denen sie teuer wieder herausgeholt werden.
  3. Abgebrochene Uploads abräumenEine Lifecycle-Regel, die mehrteilige Uploads nach sieben Tagen löscht, gehört in jeden Bucket. Der Posten ist unsichtbar und in gewachsenen Accounts oft erheblich.
  4. Alte Versionen begrenzenWo Versionierung aktiv ist, eine Regel für nicht-aktuelle Versionen setzen. Sonst wächst der Bestand doppelt, ohne dass es in der Bucket-Ansicht auffällt.
  5. Aufbewahrung klären, dann Regel schreibenWas braucht die Fachlichkeit, was verlangt eine Pflicht, was ist Gewohnheit. Diese Klärung dauert länger als die Terraform-Zeile danach und ist der eigentliche Kern.

Häufig gefragt

Intelligent-Tiering oder eigene Lifecycle-Regeln?

Intelligent-Tiering dort, wo das Zugriffsmuster unbekannt ist oder wechselt. Eigene Regeln dort, wo es bekannt ist, denn sie kosten keine Überwachungsgebühr und können auch löschen. Bei vielen Objekten unter 128 Kilobyte ist Intelligent-Tiering die falsche Wahl, weil sie gar nicht überwacht werden.

Wie viel spart eine Umschichtung typischerweise?

Zwischen 40 und 80 Prozent der Speicherkosten für die betroffenen Daten, je nach Zielklasse. Deutlich mehr bringt allerdings meist das Löschen: In einem Projekt war ein erheblicher Teil des Bestands für keine Auswertung mehr nötig, und weniger Daten heißt weniger Speicher, weniger Scan und weniger von allem.

Was kostet ein Abruf aus dem Archiv?

Je nach Klasse eine Abrufgebühr pro Gigabyte plus Wartezeit, bei Deep Archive bis zu mehreren Stunden. Deshalb gilt die Faustregel: Erst prüfen, wie oft die Daten tatsächlich gelesen werden. Vierteljährliche Vollabrufe machen jede Archivklasse teurer als Standard.

Warum taucht mein Speicherverbrauch nicht in der Bucket-Ansicht auf?

Weil abgebrochene mehrteilige Uploads dort nicht gelistet werden. Sie belegen trotzdem Speicher und werden berechnet. Eine Lifecycle-Regel, die sie nach sieben Tagen entfernt, ist der Standardhandgriff und findet in gewachsenen Accounts regelmäßig Terabytes.

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